{"id":2706,"date":"2015-06-12T17:23:44","date_gmt":"2015-06-12T17:23:44","guid":{"rendered":"http:\/\/escape.univie.ac.at\/?p=2706"},"modified":"2015-06-12T17:23:44","modified_gmt":"2015-06-12T17:23:44","slug":"die-entkommende-gemeinschaft","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/escape.univie.ac.at\/?p=2706","title":{"rendered":"Die entkommende Gemeinschaft"},"content":{"rendered":"<div style=\"width: 720px;\" class=\"wp-video\"><video class=\"wp-video-shortcode\" id=\"video-2706-1\" width=\"720\" height=\"576\" preload=\"metadata\" controls=\"controls\"><source type=\"video\/mp4\" src=\"https:\/\/escape.univie.ac.at\/wp-content\/uploads\/2015\/06\/DREHLI_Escapevideo.mp4?_=1\" \/><a href=\"https:\/\/escape.univie.ac.at\/wp-content\/uploads\/2015\/06\/DREHLI_Escapevideo.mp4\">https:\/\/escape.univie.ac.at\/wp-content\/uploads\/2015\/06\/DREHLI_Escapevideo.mp4<\/a><\/video><\/div>\n<p><em>Vortragsvideo mit Ausschnitten aus Filmen der Filmografie.<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Als Filmtheoretiker, der \u00fcber Fluchtpolitik reden wird, habe ich mir unl\u00e4ngst Filme angeschaut, die den Tagungstitel &#8222;escape&#8220; in ihrem Titel tragen. Ausschnitte aus solchen Filmen, die &#8218;irgendwas mit Escape&#8216; hei\u00dfen, lasse ich stumm und langsam mitlaufen, damit wir nicht mit meinen fl\u00fcchtigen Worten allein sind.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Theorie-Rede und das Mitlauf-Bild, da klafft ein Loch, und das ergibt sicher keine Film-Theorie. Vielleicht zwei heterogene Serien jeweiliger Sammlung von Bildern bzw. Begriffsbildern, auf denen irgendwie &#8218;escape&#8216; drauf steht, auch drin ist, und die uns zum Ent-kommen etwas Denkbares zu-kommen lassen. Was ich in meinem Vortragstitel Filmtheorie nenne, ist ja zum einen vermutlich alles andere als das. Sie werden sagen: Das sind ja nur Ausspinnungen von Gedanken einiger Pariser und Wahlpariser und Frankfurter Meisterdenker zum Film. Dann aber also doch Filmtheorie: Die Ergebenheit der Filmtheorie gegen\u00fcber solchen Gro\u00dfdenkweisen hatte immer auch ihre Offenheit zur Kehrseite (und vice versa).<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Filmtheorie nun aber nicht ausgebaut zum Modell; also verabschieden wir uns von dem Gef\u00e4ngnisgeb\u00e4udemodell in Don Siegels <em>Escape from Alcatraz &#8211; Flucht von Alcatraz<\/em> (USA 1979). Eher &#8218;FilmTheoria&#8216;, wie sie die Frankfurter Kino-Denkerin Heide Schl\u00fcpmann nahelegt, die einst, wie sie gern sagt, als Sch\u00fclerin von Adorno und Bloch aus der Philosophie ins Kino ausgezogen ist, um dann doch etwas, das die Philosophie sich leicht nehmen l\u00e4sst, im Kino zu finden: Fragen einer Moralit\u00e4t (nicht Pflicht-Ethik) von Leben unterm Neoliberalismus, von un-mannhaften Leben in Massen, in einer Erkenntnisf\u00e4higkeit, die am Wahrnehmen, nicht an Wahrheitsideen, h\u00e4ngt<sup class='footnote'><a href='#fn-2706-1' id='fnref-2706-1' onclick='return fdfootnote_show(2706)'>1<\/a><\/sup>. &#8222;[D]ie Filmaufnahme abstrahiert die Erscheinung der Wirklichkeit von der Wirklichkeit selber. Sie wiederholt den Abstraktionsprozess im Aufstieg des Theoretikers zu den Ideen.&#8220; Dort aber kommt sie nicht an: &#8222;Die <em>Theoria <\/em>aber ist der Abbruch dieser Bewegung, nicht der Durchgang zu den Ideen.&#8220;<sup class='footnote'><a href='#fn-2706-2' id='fnref-2706-2' onclick='return fdfootnote_show(2706)'>2<\/a><\/sup><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>That means you, Alain Badiou! Verabschieden wir uns hier auch gleich (bis zu einer anderen Gelegenheit) von Badious Sicht aufs Kino, die auf Treue zum ideellen Wahrheitsereignis der Kunst zielt und auf Reinigung bis hin zur Philosophietauglichkeit, auch von seiner Tapferkeit, die nur Pflicht zum Weitermachen kennt, keine Flucht, und die vielleicht deshalb am Kino gerade das Fortbestehen alter Helden- und Gut-B\u00f6se-Figurationen als dessen wesentliche ethische Leistung wertsch\u00e4tzt <sup class='footnote'><a href='#fn-2706-3' id='fnref-2706-3' onclick='return fdfootnote_show(2706)'>3<\/a><\/sup>. Lonely are the brave<em>. <\/em>Verabschieden wir uns mit diesem Bild einer veritablen Meisterbeziehung aus John Sturges&#8216; Western <em>Escape from Fort Bravo &#8211; Verrat im Fort Bravo<\/em> (USA 1953).<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Gleich geht&#8217;s los; gleich geht&#8217;s ums Los-Werden. Vorher muss ich noch eine Anekdote loswerden: In einem der Filme mit &#8218;escape&#8216; im Titel, Carpenters <em>Escape from L.A.<\/em> (USA 1996), gibt es einen Che Guevara nachempfundenen Latino-Anf\u00fchrer der zum Auszug aus der Gef\u00e4ngnisstadt Versammelten. Er ruft den Eingesperrten zu: &#8222;No matter where you come from, no matter what color your skin: We&#8217;re all one <em>raza<\/em> &#8211; the <em>raza<\/em> of the opressed!&#8220; Die englischen Untertitel der DVD \u00fcbersetzen das hispanische &#8218;raza&#8216; mit &#8218;Russia&#8216;. Zu lesen steht: &#8222;We&#8217;re all one Russia of the opressed!&#8220;, also quasi &#8222;ein Russland der Unterdr\u00fcckten&#8220;. Damit markiert der Fehler in der Untertitelung als vorauseilend-verr\u00e4terisches Symptom an Carpenters libert\u00e4rer Anti-Politik ein residuales Ideologem. Leute meines Alters kennen das noch aus dem Kalten Krieg Version 1.0: Geh doch r\u00fcber nach Russland, wenn&#8217;s dir hier nicht passt. (Anders als das heute G\u00e9rard D\u00e9pardieu tut, also nicht etwa aus Steuerschonungsgr\u00fcnden.) Im Bild dazu ein R\u00fcbergehen in die &#8218;andere&#8216; Richtung (&#8218;R\u00fcbermachen&#8216; in den Westen, wie es damals hie\u00df) aus Robert Siodmaks Cold-War-Drama <em>Escape from East Berlin &#8211; Tunnel 28<\/em> (USA\/BRD 1962). Zum Losgehen ins Loswerden also ein Riss im Wissen: zwischen dem H\u00f6rbaren der &#8218;raza&#8216; der Unterdr\u00fcckten, die das Teilen von Exklusionserfahrungen zwiesp\u00e4ltig ins Ethnische \u00fcbersetzt, einerseits &#8211; und anderseits dem Lesbaren vom &#8218;Russland der Unterdr\u00fcckten&#8216;, der institutionellen sowjetischen Gegenmacht zum Globalkapital, zugleich aber auch B\u00fcrokratie und Gulag. Die Kluft zwischen &#8218;raza&#8216; und &#8218;Russia&#8216; ist eine m\u00f6gliche Kontur f\u00fcr das Verlaufsfeld der hier folgenden Film-Fluchten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>So. Jetzt tabula rasa. Am Anfang steht eine Antwort, und sie fragt nach der Frage. Wie in der Formel von Thomas Elsaesser, die sinngem\u00e4\u00df lautet: &#8222;Frage immer: Was ist die Frage, auf die dieser Film eine Antwort sein will?&#8220; <sup class='footnote'><a href='#fn-2706-4' id='fnref-2706-4' onclick='return fdfootnote_show(2706)'>4<\/a><\/sup> Die Antwort wird eine Frage sein, wie im Fernsehquiz. Das l\u00e4sst sich mit etwas Fluchthilfe erweitern zu: Was ist die Frage, auf die &#8218;Film insgesamt&#8216; eine Antwort sein will? Bei Gilles Deleuze, f\u00fcr den ja die Antwort schon im konsequenten Stellen des Problems impliziert ist und mit dem meine Eskapade beginnt, sind es zwei Fragen &#8211; es gibt ja auch zwei Kino-B\u00fccher von Deleuze. Beide Fragen erlauben es, <em>entkommende Gemeinschaften<\/em> anzupeilen. Erste Frage: &#8222;Wie uns von uns selbst l\u00f6sen?&#8220; Zweite: &#8222;Was ist der subtile Ausweg?&#8220;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Frage eins gilt einer L\u00f6sung, die L\u00f6sung von uns selbst hei\u00dft. Deleuze stellt sie in seiner bergsonianischen Onto-Mythologie des Bewegungsbilds: &#8222;Wie uns von uns selbst l\u00f6sen, wie uns selbst loswerden?&#8220; <sup class='footnote'><a href='#fn-2706-5' id='fnref-2706-5' onclick='return fdfootnote_show(2706)'>5<\/a><\/sup> Auf diese Frage ist Film die Antwort. Und zwar nicht erst als &#8218;zeitbildhaft&#8216; entwickelter Nachkriegsfilm, sondern schon in seinen rein bewegungsbildlichen Ur-Anf\u00e4ngen, von denen Deleuze ein nachgerade mythisches Bild entwirft: Am Anfang war das Licht, nur das Licht &#8230; bis der Mensch kam, Hautausschlag der Erde, mit seinen Intentionen und ressentimentalen Moralen, seinem Bewusstsein, das nichts als empfindliche Platte ist und platte Empfindlichkeit, an der das Licht sich bricht und ausgeht <sup class='footnote'><a href='#fn-2706-6' id='fnref-2706-6' onclick='return fdfootnote_show(2706)'>6<\/a><\/sup>.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Deleuze formuliert die Fluchtfrage nach dem Sich-L\u00f6sen vom Menschen als r\u00fcckw\u00e4rtsgewandte Eschatologie, als Verlusterz\u00e4hlung, vorgetragen vom Film. Film bleibt, so Deleuze, irreduzibel r\u00fcckgebunden an einen zentrums- und formlosen Zustand, in dem alles Licht gleich Materie in unaufh\u00f6rlicher Bewegung ist. Von dort, so Deleuze, kommt Film her, von dort &#8211; nicht von der Sprache oder Intention &#8211; bekommt er seinen Sinn, den er nie ganz verliert. Der Sinn ist: immer wieder bildlich nachzuweisen, was &#8218;Sache&#8216; ist, n\u00e4mlich &#8218;Lumi\u00e8re&#8216;. Dasselbe etwas anders gesagt: Das Licht ist in den Dingen und nicht in uns <sup class='footnote'><a href='#fn-2706-7' id='fnref-2706-7' onclick='return fdfootnote_show(2706)'>7<\/a><\/sup>.<\/p>\n<p>Im Zusammenhang dieser Rede tauchen auch die heute wieder gern aufgelegten deleuzo-guattaristischen Evergreens vom Filmbild als &#8218;Fluchtlinie&#8216; oder &#8218;Deterritorialisierung&#8216; kurz auf. Mindestens so psychedelisch wie das, was im <em>Anti-\u00d6dipus<\/em> steht, ist der Ur-Suppen- und Ur-Licht-Mythos, aus dem heraus Deleuze den Film vom Menschen absetzt. Aber da ist ein Unterschied: In Abweichung zum anti\u00f6dipalen Aufbruchspathos ist Deleuze&#8216; Kosmologie des Films ein Cosmic Blues, etwas melancholisch &#8211; dies im z.B. tedjasukmanischen <sup class='footnote'><a href='#fn-2706-8' id='fnref-2706-8' onclick='return fdfootnote_show(2706)'>8<\/a><\/sup> Sinn von Melancholie als &#8218;Kritik&#8216;, hier wohl als nahezu kantische Kritik eines legitimen, nicht-intentionalen Gebrauchs des Lichts; aber auch im Sinn der R\u00fcckprojektion eines verlorenen Zustands der Reinheit, der eine Haltung der Demut einfordert, sowie eine Verbundenheit, die im Allgemeinen Religion hei\u00dft. &#8222;Es handelt sich darum,&#8220; schreibt Deleuze religi\u00f6s, &#8222;die Welt vor dem Auftreten des Menschen, vor unserer eigenen D\u00e4mmerung wiederzufinden &#8230;&#8220; <sup class='footnote'><a href='#fn-2706-9' id='fnref-2706-9' onclick='return fdfootnote_show(2706)'>9<\/a><\/sup> Loswerden unserer selbst als Wiederfinden der Welt vor dem Aufgang der Menschen: Um das ein wenig von der Licht-Metaphysik in Richtung Geschichte, Technik und Kubrick zu verschieben, l\u00e4uft dazu <em>Escape from the Planet of the Apes &#8211; Flucht vom Planet der Affen<\/em> (Don Taylor, USA 1971). Vor dem Menschen ist das kosmische Kino &#8211; oder &#8218;the ape&#8216; als &#8218;Esc-Ape&#8216;.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&#8222;Wie sich von sich selbst l\u00f6sen?&#8220; Mit dieser Frage markiert Deleuze, zeitgleich zu den Kino-B\u00fcchern, in seinem Foucault-Portr\u00e4t einen Problempunkt: Schlie\u00dft Foucault sich nicht in seiner Theorie der Macht ein, gibt er nicht das Subjekt ganz jener Unterwerfung preis, die mit &#8217;subjection&#8216; bezeichnet ist? <sup class='footnote'><a href='#fn-2706-10' id='fnref-2706-10' onclick='return fdfootnote_show(2706)'>10<\/a><\/sup> M\u00fcsste er nicht von diesem unterworfenen Selbst sich l\u00f6sen, um etwas Subjektives als Brennpunkt von Widerst\u00e4ndigkeit zur\u00fcckzugewinnen? (Etwas, das dann hei\u00dfen wird: Subjektivierung im ethischen Selbstverh\u00e4ltnis <sup class='footnote'><a href='#fn-2706-11' id='fnref-2706-11' onclick='return fdfootnote_show(2706)'>11<\/a><\/sup>.) Das Schema lautet: Wird Macht allumfassend, geht ein Fluchtweg in Richtung Ethik. Das Schema gilt f\u00fcr Deleuze&#8216; Blick auf Foucault wie auch aufs Kino. Im zweiten Kino-Buch taucht der Kontext der Frage nach dem Sich-von-sich-L\u00f6sen (und das ist ja schon ein Sich-zu-sich-Verhalten) wieder auf. Der Kontext hei\u00dft: Ausweg aus der Machtdurchdringung ins Ethische. Die Frage ist nun so formuliert: &#8222;Was ist der subtile Ausweg?&#8220; <sup class='footnote'><a href='#fn-2706-12' id='fnref-2706-12' onclick='return fdfootnote_show(2706)'>12<\/a><\/sup><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ausweg wohin? Woraus? Aus einer Allmacht, zumal einer perfiden Ironie. Die sieht so aus (Deleuze sagt das nicht explizit, aber die Verwendung gleicher Termionologie legt es nah): Dieselbe Formgebung, durch die Film befreiend wirkt, wird zur Macht, die die Welt unentrinnbar formt. Der gemeinsame Terminus ist &#8218;Modulation&#8216;: Modulieren ist, was das Filmbild mit der Welt macht und was das Regieren in der Kontrollgesellschaft, im postfordistischen Kapitalismus, mit der Welt macht &#8211; n\u00e4mlich an der Ver\u00e4nderlichkeit der Welt &#8218;dranbleiben&#8216; und als seinerseits flexibel ver\u00e4nderliche Formung Formen zu bilden, Bilder zu formen <sup class='footnote'><a href='#fn-2706-13' id='fnref-2706-13' onclick='return fdfootnote_show(2706)'>13<\/a><\/sup>. In dieser Denkfigur hallt etwas von der ambivalenten Einsch\u00e4tzung kapitalistischen Fortschritts als einer Befreiungs- und Unterwerfungsdynamik nach, die von Marx \u00fcber die messianische Kritik bis zum Deleuzomarxismus reicht.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>In seinem Zeitbild-Buch zieht Deleuze die Sache als Plot-Point auf &#8211; als Aha-Effekt, schockartiges Erwachen aus einem Zustand, der uns, so merken wir nun wie in einem Mindgame-Film, schon lange gefangen h\u00e4lt. Es geht ums Bedrohliche von Mabuses Macht am Monitor: Bedroht ist alles, was am Film-Bild befreiend wirkt, durch das Regime des elektronisch gesteuerten und steuernden Sichtbaren <sup class='footnote'><a href='#fn-2706-14' id='fnref-2706-14' onclick='return fdfootnote_show(2706)'>14<\/a><\/sup>. Das wurde oft als televisiophober Verfallsdiskurs nachgebetet. Aber ganz so einfach gibt es Deleuze nicht, denn: Die Frage nach dem Ausweg wird dringlich angesichts schon des &#8218;Films&#8216; &#8211; der Alldurchdringung durch ebenjene bildf\u00f6rmige, formbildende Macht, die einmal Befreiungs- und Erkenntnisverhei\u00dfung war, nicht nur f\u00fcr Deleuze. &#8222;Die Welt kommt uns als ein schlechter Film vor&#8220; oder &#8222;Die ganze Welt macht Kino&#8220; bzw. &#8222;Die ganze Welt f\u00fchrt sich auf&#8220;, so lauten seine Formulierungen <sup class='footnote'><a href='#fn-2706-15' id='fnref-2706-15' onclick='return fdfootnote_show(2706)'>15<\/a><\/sup>. Quasi: Film regiert die Welt &#8211; und das ist das Problem. Wenn uns das an Spektakelgesellschaftskritik (mit ihrer Phobie gegen Bilder) erinnert: Deleuze h\u00e4lt, wohlgemerkt, viel aufs Bild, sonst h\u00e4tte er ja seine Differenzphilosophie nicht in zwei Kinob\u00fccher \u00fcbersetzt. Was ist und wohin geht nun der subtile Ausweg?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>In etwa so: Wenn wir nicht mehr an die vom Film geformte Welt im Welt-Bild glauben, dann muss das Film-Bild selbst Kathedrale eines Glaubens werden &#8211; Glaube woran? Nicht an eine andere, bessere Welt, so Deleuze, sondern: an die Welt, wie sie ist; an das fragile Band zwischen Mensch und Welt; ans Fleisch. Das sind aber jeweils verschiedene Dinge, an die geglaubt werden soll, und da dr\u00e4ngt sich der Eindruck auf, Deleuze gehe es vor allem um Gl\u00e4ubigkeit schlechthin, ums Glauben an den Glauben. Im Zweifel f\u00fcr den Glauben, k\u00f6nnten wir in Abwandlung eines Tocotronic-Titels sagen. <sup class='footnote'><a href='#fn-2706-16' id='fnref-2706-16' onclick='return fdfootnote_show(2706)'>16<\/a><\/sup> F\u00fcr die wiederzufindende Fr\u00f6mmigkeit oder Glaubensgewissheit zieht Deleuze dann den etwas weniger religi\u00f6s beladenen Begriff Ethik heran <sup class='footnote'><a href='#fn-2706-17' id='fnref-2706-17' onclick='return fdfootnote_show(2706)'>17<\/a><\/sup>; aber es l\u00e4uft aufs selbe hinaus: auf Ethik als eine Haltung der Demut. Deren bildliche Form ortet Deleuze etwa im katholischen Neorealismus von Rossellini.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Der Ausweg in den Glauben an die sich der Bild-Formung entziehende Welt geht einher mit dem Ausweg in ein ethisches, dem\u00fctiges Verh\u00e4ltnis zu sich selbst. Und so gelangt Deleuze wieder zur Frage nach dem Sich-selbst-Loswerden qua Bewegungs-Bild: die ethische Beziehung als ein Sich-L\u00f6sen von dem, was uns innig an die hegemoniale Macht bindet. Diese Ethik lie\u00dfe sich politisieren &#8211; allerdings mit einigem Aufwand: Wir m\u00fcssten erstens, im Widerhall mit dem sp\u00e4ten Foucault, von Glaubensfragen \u00fcbergehen zu einer Existenzethik der Selbstentfremdung und diese dann als eo ipso Widerstand, sprich, Politik, kurzschlie\u00dfen. Wir m\u00fcssten zweitens, wie es Deleuze andeutet, die Menschen-Form, vor der es das reine Licht der Welt zu retten gilt, kurzschl\u00fcssig gleichsetzen mit dem westlichen Kolonialherrensubjekt und was davon in uns ist, also einen nietzscheanischen Ekel vor dem modernen Feind des Lebens hegemonietheoretisch wenden. Beides ist schwer. Aus einer Ethik, die sagt: Mach das Filmbild zum Altar gl\u00e4ubigen Sein-Lassens der Welt, wird so leicht keine Politik. Eher bleibt das stecken &#8211; in Exerzitien der Selbstgei\u00dfelung oder (um das Steckenbleiben im Feld des Films aufzusp\u00fcren) im Dem\u00fctigen des Subjekts moderner Selbstbehauptungsintention; diese Dem\u00fctigung vollziehen diverse glaubensgl\u00e4ubige Neorealismen notorisch an der unterstellten Hybris von unm\u00fctterlichen Frauenfiguren. (Das schwingt bei einigen von Ingrid Bergman gespielten Figuren mit, die bei Rossellini jeweils radikale Erfahrungen des Gebrochen-Werdens machen.)<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wie gesagt: Deleuze&#8216; filmphilosophischen Fluchtgedanken eignet hier etwas Restauratives; zumindest bergen die Hingaben ans Offene und ans Au\u00dfen ein R\u00fcckerstattungsphantasma. Wir k\u00f6nnen das wohlwollend sehen, indem wir eine Parallele zu Stanley Cavell <sup class='footnote'><a href='#fn-2706-18' id='fnref-2706-18' onclick='return fdfootnote_show(2706)'>18<\/a><\/sup> anrei\u00dfen: Film projiziert eine Welt, in der wir nicht sind und die unserem Zugriff entzogen ist, und diese Flucht der Welt vor uns qua Film wird Voraussetzung einer innigeren, reflektierteren Verbindung mit der Welt, die sich auch dem stellt, was in der Welt strittig ist. Das k\u00e4me &#8211; Cavell mit Deleuze&#8216; Glaubensband-Ethik zusammendenkend &#8211; einer <em>remarriage<\/em> mit der Welt gleich: einer Wiederverheiratung, gestiftet durch Erfahrung, nicht durch eine als Prinzip vorausgesetzte Form. Von jener Art R\u00fcckerstattung, die ein selbstverwirklichungssinniges Subjekt zugleich besch\u00e4mt und beschenkt, handelt ein bekannter <em>remarriage-<\/em>Song von Rupert Holmes aus dem Jahr 1979, der so hei\u00dft wie diese Tagung, n\u00e4mlich <em>The Pi\u00f1a Colada Song<\/em> im Volksmund, mit Klarnamen allerdings &#8218;escape&#8216;: &#8222;If you like Pi\u00f1a Coladas\/Or getting caught in the rain &#8230; I&#8217;m the love that you look for\/Write to me and escape!&#8220;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wir k\u00f6nnen das aber auch kritisch sehen &#8211; wie Jacques Ranci\u00e8re in seinen Texten zu Deleuze, zumal zu Deleuze&#8216; Versuch, die Politik eines kommenden, organlosen Volkes auf \u00e4sthetische Erfahrungen zu gr\u00fcnden. Das Volk fehlt hartn\u00e4ckig, und Deleuze&#8216; Anrufung aller m\u00f6glichen Tr\u00e4ger_innen freigesetzter Vitalit\u00e4t f\u00fchrt nicht zu dionysischer Demokratie, sondern nur zur Geringsch\u00e4tzung jeweils konkreter historischer Instituierungen kollektiver Gleichheit: So l\u00e4sst sich paraphrasieren, was Ranci\u00e8re Deleuze vorwirft <sup class='footnote'><a href='#fn-2706-19' id='fnref-2706-19' onclick='return fdfootnote_show(2706)'>19<\/a><\/sup> (und worin er sich eh auch gleich selbstkritisch bei der eigenen Nase nehmen k\u00f6nnte, die er seltenheitsaristokratisch r\u00fcmpft vor dem, was h\u00e4ufig als politisches Handeln auftritt und in seiner Sicht ebenfalls jeweils als defizit\u00e4r gilt <sup class='footnote'><a href='#fn-2706-20' id='fnref-2706-20' onclick='return fdfootnote_show(2706)'>20<\/a><\/sup>).<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Zweierlei Fluchten im Sinn von Ausfluchten stellt Ranci\u00e8re an Deleuze fest &#8211; an einem Deleuze, der (so sieht es Ranci\u00e8re) in die Sackgasse ger\u00e4t, wo Abgr\u00fcndigkeits\u00e4sthetik nicht in Politik m\u00fcndet. Zum einen ist da die Verselbst\u00e4ndigung der Enteignung der Enteigner: Weil sich die Gemeinschaft, auch die Glaubensgemeinschaft, entzieht, wird die immer neue &#8218;Kreuzigung&#8216;, L\u00e4hmung des intentional handelnden Subjekts zum Selbstzweck &#8211; Deleuze&#8216; hitchcocksche Erstarrungen und neorealistische Aktionskrisen <sup class='footnote'><a href='#fn-2706-21' id='fnref-2706-21' onclick='return fdfootnote_show(2706)'>21<\/a><\/sup>. Zum anderen, so Ranci\u00e8re markant am Ende einer Deleuze-Kritik, will eine bestimmte Absetzung, die Deleuze so wichtig ist, nicht und nicht gelingen &#8211; die Trennung n\u00e4mlich zwischen einem Nomadismus der Vielheiten einerseits und der flexiblen Mobilit\u00e4t des Diversity-Management-Kapitalismus anderseits. Dieser Unterschied wird immer wieder unterlaufen, also schmei\u00dft Deleuze gelegentlich mal den ganzen neoliberal kompromittierten Deterritorialisierungskrempel hin &#8211; oder, wie Ranci\u00e8re es ausdr\u00fcckt: Er l\u00e4sst sein Befreiungsdenken gegen die Wand fahren <sup class='footnote'><a href='#fn-2706-22' id='fnref-2706-22' onclick='return fdfootnote_show(2706)'>22<\/a><\/sup>. Deshalb sehen wir den Aufprall eines rasenden Autos, samt Gabu Heindl-Lookalike Adrienne Barbeau, in John Carpenters <em>Escape from New York &#8211; Die Klapperschlange<\/em> (USA 1981).<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Was f\u00fcr Fluchtpolitik kommt &#8217;nach&#8216; Deleuze? Es gibt mindestens zwei Str\u00e4nge politiktheoretischer Ankn\u00fcpfung an Deleuze, die dem Film einen gewissen Stellenwert einr\u00e4umen: ein Denken der Multitude und eines der Demut, der Humilitude <sup class='footnote'><a href='#fn-2706-23' id='fnref-2706-23' onclick='return fdfootnote_show(2706)'>23<\/a><\/sup>. Der Multitude gilt der Deleuzomarxismus der Postoperaisten &#8211; Hardt und Negri, Lazzarato, explizit unter der \u00dcberschrift &#8222;Exodus&#8220; bei Paolo Virno <sup class='footnote'><a href='#fn-2706-24' id='fnref-2706-24' onclick='return fdfootnote_show(2706)'>24<\/a><\/sup>. Der betreffende Gedanke geht sinngem\u00e4\u00df so: Wenn der Kapitalismus modulierend geworden ist, nicht l\u00e4nger disziplinierend; wenn der Ort der Wertsch\u00f6pfung sich von der Fabrik aus \u00fcber das zeitliche, r\u00e4umliche, soziale Ganze des Lebens ausgestreut hat; wenn die formgebende Macht als Bio-Politik quasi filmisch geworden ist &#8211; dann sollten wir das nicht so schnell als Ausweglosigkeit abschreiben wie Deleuze, der sich gleich in den Glauben fl\u00fcchtet. Dann sollten wir darin Chancen f\u00fcr eine neue Politik sehen, die dem Kapitalismus das Modulieren von Intensit\u00e4ten, von schierer Lebendigkeit, direkt streitig macht &#8211; n\u00e4mlich ohne den Umweg \u00fcber Formen der Repr\u00e4sentation qua Tauschwertabstraktion oder Staat, stattdessen in Prozessen nomadischer Selbstverwertung und kreativer Eigenproduktion von sozialen Beziehungen. Diese Theorie beinhaltet den Appell an die Lebensformpolitik neuer sozialer Bewegungen nach &#8217;68, ganz zentral an die massenweise Desertion aus dem Regime von Fabrik und B\u00fcro oder der durchg\u00e4ngigen Lohnarbeitsroutinebiografie. Mit dieser Hochsch\u00e4tzung von Widerst\u00e4ndigkeit als Prim\u00e4rproduktivit\u00e4t, auf die Staat und Kapital lediglich &#8218;reagieren&#8216;, geht allerdings ein mehr oder minder expliziter \u00d6konomismus einher, und da kommen Film und Kino ins Spiel. Film und Kino figurieren in diesem Diskurs als ein Vorbild postfordistischer Formung von Zeit als Ver\u00e4nderung, mithin als Vorbild jener &#8218;affektiven Arbeit&#8216;, die Empfindungen produziert und ihr Modell in Gesundheitsdiensten und der Unterhaltungsindustrie hat <sup class='footnote'><a href='#fn-2706-25' id='fnref-2706-25' onclick='return fdfootnote_show(2706)'>25<\/a><\/sup> (da ist Kino quasi ein &#8218;Ho-Spital&#8216;) <sup class='footnote'><a href='#fn-2706-26' id='fnref-2706-26' onclick='return fdfootnote_show(2706)'>26<\/a><\/sup>. Desgleichen sind Film und Kino in ihrem Modellcharakter impliziert in dem multitudentheoretischen Gedanken, wonach virtuose Kommunikation, wie sie vormals Sache der Kulturindustrie war, heute im Ganzen der immateriellen Produktion aufgeht: Was einst begrenzte Dom\u00e4ne insbesondere der kinoindustriellen Formung war, eben virtuos zu kommunizieren, das eignet nun generell einer Produktion, die sich auf das Unberechnete, zumal auf Wahrnehmung durch andere, hin ausrichtet &#8211; worin ein genuin politisches Moment dieser virtuosit\u00e4ts- und kommunikationsges\u00e4ttigten Produktion liegen soll <sup class='footnote'><a href='#fn-2706-27' id='fnref-2706-27' onclick='return fdfootnote_show(2706)'>27<\/a><\/sup>.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend Deleuze quasi den Hut draufhaut und fromm wird, ist hier die Bereitschaft hoch, einer Ambivalenz im Kapitalismus zu vertrauen: darauf zu vertrauen, dass das Kippbild, das den Kommunismus als bereits im Kapitalismus impliziert zeigt, auf die richtige Seite kippen wird; darauf zu vertrauen, dass Nomadismus von Zwangsflexibilit\u00e4t und multitudinale Kreativit\u00e4t von Selbstunternehmertum, Lifestyle-Pioniergeist oder Premium-Service unterscheidbar ist (oder werden wird). Der Punkt dieser Unterscheidung ist konzeptuell schwer auszumachen. Er ist zumal kein konfliktu\u00f6ser Punkt, kein Streit-Punkt; Streit und konfliktu\u00f6se Politik entfallen, wenn Politik als so sehr durch virtuose Selbst-Auff\u00fchrung bestimmt und dem Exodus immanent gedacht wird, also als genuin ziellos, aufgehend in der Flucht als Selbstzweck bzw. Benjamin&#8217;sches reines Mittel <sup class='footnote'><a href='#fn-2706-28' id='fnref-2706-28' onclick='return fdfootnote_show(2706)'>28<\/a><\/sup>, Bildung von Soziet\u00e4ten als positive Lebensformen im Auszug. Die Frage ist, welche Politik dann aber jene machen, die nicht kreativ sind: Bleibt ihnen nur die Teilung einer existenziellen Prekarit\u00e4t und Verletzlichkeit zur Gemeinschaftsbildung (wie dies bei Judith Butler anklingt)? <sup class='footnote'><a href='#fn-2706-29' id='fnref-2706-29' onclick='return fdfootnote_show(2706)'>29<\/a><\/sup> Und muss ich nicht, wo das Occupy- oder Refugee-Camp r\u00e4umlich und zeitlich endet, in die Unreinheiten und Fremdvorgaben von Repr\u00e4sentationsspielen und -k\u00e4mpfen eintreten?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Letztlich ist solch Best\u00fcrmen und Besetzen gegnerischer Stellungen und kompromittierter Bezeichnungsorte ein Terrain, in dem sich ja der multitudinale Diskurs selbst situiert, offensiv und reflexiv zugleich, wenn mensch etwa j\u00fcngeren \u00dcberlegungen von Gerald Raunig nachgeht: Da ist zum einen das Streitigmachen eines Labels, die Rekuperationsgeste, die sagt: Moment, die Kreativindustrie, das sind nicht die 24\/7 arbeitenden Kommunikationsdesigner_innen, das sind wir! Und zugleich die Bereitschaft, einen Deleuze&#8217;schen Begriffsschatz, der lieb und teuer geworden ist, fahren zu lassen, bevor er (wie Ranci\u00e8re \u00e4tzte) &#8222;gegen die Wand f\u00e4hrt&#8220;: n\u00e4mlich die Emphase der Deterritorialisierung zur\u00fcckzufahren und, entgegen der alten rhizomatischen Fluchtlinieneuphorie, Praktiken der Re-territorialisierung und Neukerbung von Zeiten und R\u00e4umen starkzumachen &#8211; zumal angesichts dessen, wie entgr\u00fcndet und glatt das Parkett des freien Kapitalverkehrs und freien Dienstvertrags ist <sup class='footnote'><a href='#fn-2706-30' id='fnref-2706-30' onclick='return fdfootnote_show(2706)'>30<\/a><\/sup>. Zu sehen ist dazu das Zerrbild, Kippbild, Spielfilmbild einer rebellischen Multitude als Freakteam, das eigensinnig, virtuos, kontingenzsensitiv am massenausbruchsf\u00f6rmigen Exodus aus aufgezwungener Lagerdisziplin werkelt. Ein Prisoners-of-War-Flucht- und Kriegsfilm mit All-Star-Cast im &#8222;Stalag&#8220; benannten Nazi-Gefangenenlager: <em>The Great Escape &#8211; Gesprengte Ketten<\/em> (ebenfalls von John Sturges, USA 1963).<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Das bringt uns zur Fluchtpolitik der &#8218;Humilitude&#8216; bei Giorgio Agamben, mit Direktbezug auf Deleuze&#8216; Filmtheorie. Agamben sieht Film als der Ethik und Politik zugeh\u00f6rig. Warum? Weil das Filmbild Geste ist: Es entbl\u00f6\u00dft, was an uns unintentional, automatisch, unangeeignet ist. <sup class='footnote'><a href='#fn-2706-31' id='fnref-2706-31' onclick='return fdfootnote_show(2706)'>31<\/a><\/sup> Film zeigt uns als blo\u00dfes Leben und als beliebige Existenzen, mithin im Vorgriff auf eine noch ausst\u00e4ndige Gemeinschaft, in der blo\u00dfes Leben sich annehmen und Lebens-Form geben k\u00f6nnte <sup class='footnote'><a href='#fn-2706-32' id='fnref-2706-32' onclick='return fdfootnote_show(2706)'>32<\/a><\/sup>. Auf Agambens &#8218;kommende Gemeinschaft&#8216; beliebiger Singularit\u00e4ten, die weder Individuum noch Allgemeinheit kennt, spielt der Titel meines Texts an. Aber wie das schon so ist: Je reiner die Politik, je paradiesischer die Gesellschaft, die da kommt (oder auch nicht), desto mehr eignet sie sich als Kehrbild eines Jammertals, in dem Agamben die nackten Leben gegenw\u00e4rtig schmachten sieht, egal ob auf demokratischer Autobahn, im nazistischen Lager oder im klinischen Koma <sup class='footnote'><a href='#fn-2706-33' id='fnref-2706-33' onclick='return fdfootnote_show(2706)'>33<\/a><\/sup>. Die Politik, die da einen Unterschied bewirken k\u00f6nnte, muss Sache der Theologie bleiben, Ausnahme, die beschworen, nicht gemacht wird, katastrophaler Umschlag, nicht Revolution. Was Agamben Politik nennt, ist eine Ethik ohnm\u00e4chtiger Demut im Zeichen der Blo\u00dfgestelltheit als Kreatur. Und noch seine Ausstreichung der Erl\u00f6sungsperspektive beh\u00e4lt im Fluchtpunkt nichts weniger als eine Gnade, die den blo\u00dfen Leben zuteil werden kann. Gnade wird zuteil &#8211; so wie im Blick des Kinematografen den Bresson&#8217;schen Modellen in ihrer unfreiwilligen Ausdrucksf\u00fclle: Erst im Ethos der Preisgabe aller expressiven Intention wird sich so etwas wie Seele einstellen, n\u00e4mlich als schieres Symptom. Dazu noch ein Filmclip \u00fcber Flucht aus Nazi-Gefangenschaft (hier ist es ein Mann der R\u00e9sistance): Robert Bressons <em>Un condamn\u00e9 \u00e0 mort s&#8217;est \u00e9chapp\u00e9 &#8211; Ein zum Tode Verurteilter ist entflohen<\/em> (F 1956).<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Hier aktivistischer \u00dcbermut im Exodus; da passivistische Demut in einer Entbl\u00f6\u00dfung des Beliebigen, die Agamben u.a. beim Siegfried Kracauer der 1920er Jahre vorgedacht sieht <sup class='footnote'><a href='#fn-2706-34' id='fnref-2706-34' onclick='return fdfootnote_show(2706)'>34<\/a><\/sup>. Was kann es bringen, sich hier auf Kracauer zu berufen?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Nehmen wir beides zusammen, Exodus und Kracauer &#8211; heraus kommt einer der Fluchtgedanken, die Kracauer am Schauplatz des Kinos, im Medium des Films als Paradigma massenkultureller Erfahrung formuliert hat: Das Massenornament, die bewusstlos eigent\u00e4tige Konfiguration beliebiger Dividuen &#8211; in der Revue, im Sportstadion, im Kino, es zeigt uns (akkusativisch formuliert); das Ornament der Masse zeigt unser soziales Leben in einem \u00dcbergang, der der Ambivalenz der Kapitalisierung von Leben entspricht; es zeigt uns im &#8218;Auszug&#8216;. Auszug woraus und wohin? &#8222;[A]us der schwellenden organischen Pracht und [der] individuellen Gestalthaftigkeit&#8220;, schreibt Kracauer <sup class='footnote'><a href='#fn-2706-35' id='fnref-2706-35' onclick='return fdfootnote_show(2706)'>35<\/a><\/sup>. Auszug wohin? Die &#8222;g\u00fcltige Organisation&#8220; der Teile und Anteile bleibe unbekannt, unbenannt, so Kracauer mit Blick auf Photographie (in dem so benannten, fast zeitgleich erschienenen &#8218;companion piece&#8216; zu &#8222;Das Ornament der Masse&#8220;) und Film als Weisen, die Wirklichkeit in immer neuer Aufteilung immer neu sortiert abzulegen <sup class='footnote'><a href='#fn-2706-36' id='fnref-2706-36' onclick='return fdfootnote_show(2706)'>36<\/a><\/sup>. Dass von einer kommenden &#8218;gerechten&#8216; Anordnung nur eine Ahnung vorscheint, das macht die immer neue Verteilung m\u00f6glich: Den Messianismus ohne Positivverhei\u00dfung teilt Kracauer mit Momenten in Jacques Derridas Dekonstruktion <sup class='footnote'><a href='#fn-2706-37' id='fnref-2706-37' onclick='return fdfootnote_show(2706)'>37<\/a><\/sup>; der Aufschub zugleich als Schub zur Bestreitung ungerechter Ordnungen (etwa von Schubhaft-Regimen in Schengen-Europa).<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wohin geht der Auszug aus dem Organischen und Individuellen, auf das sich Kapital und Nation auch heute noch gern grundhungrig berufen? Wie die Gerechtigkeit aussieht, wissen wir nicht; Paradiesseligkeit f\u00e4llt also schon einmal weg. Wir wissen auch nicht, was die Masse sein oder gewesen sein wird, die ihre Ordnungen, An-Ordnungen, hervorbringt, halbblind und zugleich hellsichtig. Wir wissen nicht, was eine Masse vermag: Da ist Kracauer nah bei jenem deleuzeschen Spinozismus, der Kr\u00e4fte gerade in ihrer Unbestimmtheit, Ungeahntheit beschw\u00f6rt. Zumal Kracauers Messianismus sich von Anfang an selbst aushebelt zugunsten einer diagnostischen Aufmerksamkeit auf \u00d6ffnungen, die sich in der an die Kapitalrationalit\u00e4t verfallenen Welt zeigen: auf Momente von Sinnbildung, Einsicht, Solidarit\u00e4t. Massenhaft zerstreutes Leben, das sich seine Formen gibt (anstatt sich den \u00fcberkommenen Formen des Besitzb\u00fcrgertums anzugleichen), sieht Kracauer nicht mit Verachtung und meist auch nicht im \u00dcberschwang.<\/p>\n<p>Wenn er schreibt, die zerstreute Wahrnehmung sei der Wahrheit nahe, weil sie den Zerfall nicht \u00fcberdeckt <sup class='footnote'><a href='#fn-2706-38' id='fnref-2706-38' onclick='return fdfootnote_show(2706)'>38<\/a><\/sup>, dann hat diese Wahrheitsf\u00e4higkeit zun\u00e4chst etwas von &#8211; schl\u00fcpmanisch gesagt &#8211; hellsichtiger Ein-Bildung unserer selbst ins Unechte, Unganze, Eigentumslose <sup class='footnote'><a href='#fn-2706-39' id='fnref-2706-39' onclick='return fdfootnote_show(2706)'>39<\/a><\/sup>. Vergleichbares mutet uns heute etwa ein queer gewendeter Proletarismus und Prekarismus an. Kracauers Positivbesetzung von Zerstreuung kommt, anders als Benjamins sp\u00e4terer Rekurs darauf, ohne einen produktivistischen Appell ans polytechnische Lernen aus, weitgehend auch ohne Sensualismus und Pathos des Bild-Schocks als gr\u00fcndend-waltende Gewalt. Kracauer zielt auch nicht wie sein anderer Freund Adorno auf die Kunst und muss daher auch die Massenkultur nicht in deren Weichbild sehen. Und anders als der Utopiker Bloch, mit &#8218;Krac&#8216; gut befreundet auch er, macht er sich wenig Hoffnung aufs Kreative oder auf Phantasie als logischer Vorbote der Revolution, auch nicht auf unerschlossene Adern im Vergangenen, die als geschichtlicher Goldschatz ungleichzeitiger Vorausweisung zu bergen und rekuperieren seien <sup class='footnote'><a href='#fn-2706-40' id='fnref-2706-40' onclick='return fdfootnote_show(2706)'>40<\/a><\/sup>. Bloch denkt die Welt nicht als strittig oder aus Widerspr\u00fcchen heraus, sondern, wie J\u00fcrgen Habermas einmal monierte, als &#8222;tr\u00e4chtig&#8220; <sup class='footnote'><a href='#fn-2706-41' id='fnref-2706-41' onclick='return fdfootnote_show(2706)'>41<\/a><\/sup>; sein Zug zur F\u00fclle inkludiert auch Claims auf Tracht und Tradition.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Das nicht und das nicht und jenes auch nicht &#8230; Aber Kracauer ist kein Nihilist oder Negativist, im Gegenteil. Vielmehr wurde er bis vor kurzem vielfach und wird er heute noch mitunter als theoretisches Leichtgewicht eingesch\u00e4tzt, gerade weil er &#8218;zu viel&#8216; am Film und im Film und durch Film gesehen hat. Etwa &#8218;Bildungsstandorte with a difference&#8216;, verzeitlichte Orte von Form-Bildung, bei Kracauer notorisch im Slapstick oder in diversen Versionen von Neorealismus als Bild-Formen eines Andauerns der Zerstreuung, eines Abdriftens, einer Ein-Bildung ins Beliebige. Daf\u00fcr steht &#8211; vielmehr: stottert &#8211; dieser Clip aus einem kurzen Roadmovie, das schlicht so hei\u00dft wie diese Tagung: <em>Escape<\/em> von Rosa Hannah Ziegler (BRD 2011).<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Allerdings: Wie diesem Film geht es auch Kracauer nicht ums Ausbreiten eines nomadischen Idylls, das allem liebevoll gerecht w\u00fcrde. Vielmehr stellen sich da, oft unvermutet, Macht-Fragen. Dass Kracauer diese Fragen nicht sehr oft in Antworten ausinstituiert, unterstreicht letztlich gerade jene Momente, in denen er ebendies doch tut &#8211; und etwa Lenin als gro\u00dfen Realisten w\u00fcrdigt (zumal unter Antizipation eines Schl\u00fcsselbegriffs seiner sp\u00e4teren Film- und Geschichts-Erfahrungstheorie) <sup class='footnote'><a href='#fn-2706-42' id='fnref-2706-42' onclick='return fdfootnote_show(2706)'>42<\/a><\/sup>. Jedenfalls: Die zwei M\u00e4dchen in <em>Escape<\/em> fl\u00fcchten am Filmende &#8211; nachdem sie in ihrer zerstreuten Suche nach nichts weniger als Streit einen Typ an einer Tankstelle brutal verpr\u00fcgelt haben &#8211; ohne gro\u00dfen Grund, also vielleicht zurecht. Kracauers Kino ist Zerstreuung der Wahrnehmung als Wahr-Nehmung der Zerstreuung. Ein F\u00fcr-Wahr-Nehmen als Haltung des Wartens. Dem Warten pr\u00e4gt Kracauer irgendwann das paradoxale Label &#8218;aktive Passivit\u00e4t&#8216; auf. Das allerdings ist kein stiller Adventismus, der die Handlungshemmung feiern und den Messias machen lassen w\u00fcrde. Die Bl\u00f6\u00dfe der Passivit\u00e4t ist auch nur noble Bl\u00e4sse, ein Im-Reinen-Bleiben. Ebenso aristokratisch und eben elit\u00e4r aber ist die Emphase des &#8218;reinen Akts&#8216;, der die Wahrheit will und dem dann doch ein gewisser Ekel vor dem Allt\u00e4glich-Unwahren wichtiger wird als das Wahrnehmen sozialer Machtverh\u00e4ltnisse und der Chancen und Spielr\u00e4ume darin. Das meint jetzt noch einmal Badiou <sup class='footnote'><a href='#fn-2706-43' id='fnref-2706-43' onclick='return fdfootnote_show(2706)'>43<\/a><\/sup>. Badious Begeisterung f\u00fcr Chaplins Tramp-Filme\u00a0\u2013 Slapstick als Roadmovie\u00a0\u2013 ist recht \u00e4hnlich formuliert wie die von Kracauer achtzig Jahre zuvor. Badious &#8222;generische Humanit\u00e4t, jenseits all ihrer Differenzen&#8220; <sup class='footnote'><a href='#fn-2706-44' id='fnref-2706-44' onclick='return fdfootnote_show(2706)'>44<\/a><\/sup>\u00a0\u2013 bei Kracauer hie\u00df das: &#8222;Die Frage ist: was noch \u00fcbrig bleibt, wenn die Merkmale fortfallen, durch die sich die Menschen gemeinhin erst in bestimmte Menschen verwandeln. \u00dcbrig bleibt bei Chaplin der Mensch schlechthin, oder doch ein Mensch, wie er allerorten zu verwirklichen ist.&#8220; <sup class='footnote'><a href='#fn-2706-45' id='fnref-2706-45' onclick='return fdfootnote_show(2706)'>45<\/a><\/sup> Auch Kracauer schreibt da von Wahrheit &#8211; im &#8222;Ornament der Masse&#8220;, dem Begleittext zu seinen Chaplin-Rezensionen (um das Gewichtungsverh\u00e4ltnis dieser in etwa zeitgleich verfassten, \u00e4hnlich operierenden Texte Kracauers einmal umzukehren): Auszug in eine &#8218;Anonymit\u00e4t&#8216;, die &#8218;in der Wahrheit steht&#8216;, in Aufl\u00f6sung von Kontur und Substanz. Was jedoch z\u00e4hlt, ist, dass solches Hindurchleuchten von Wahrheit, eben durch die Formen der Ideologie und Repr\u00e4sentation, nicht zu haben ist ohne Durchgang durch Hegemonie. Die Wahrheit hat Zeit, was bleibt, ist Streit, Streit im Bild.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&#8222;[&#8230;] da\u00df das Ohnm\u00e4chtigste die Welt bewege&#8220;: Dazu sieht Kracauer den Tramp immer wieder anlaufen (und scheitern). Und er nennt Chaplin, der kein Ich hat und nichts repr\u00e4sentiert, &#8222;ein Loch&#8220; <sup class='footnote'><a href='#fn-2706-46' id='fnref-2706-46' onclick='return fdfootnote_show(2706)'>46<\/a><\/sup>. Das Loch bezeichnet den Ort, den Anteil, der sozial zugewiesenen Ohnmacht. Bei Kracauer kehrt es immer wieder, als L\u00fccke und Schlupfloch. Nicht um das Loch abzuschlie\u00dfen, nur um es kurz und schematisch stehen zu lassen, sei noch angemerkt: Kracauers Loch ist nicht Altar der Demut; nicht Ausgang aus der H\u00f6hle zur Idee; nicht Passage in die Positivit\u00e4t des Exodus; nicht Abgrund des reinen Akts; weder ein Abseits unkompromittierter Unzugeh\u00f6rigkeit noch Spielwiese eines fr\u00f6hlichen Partikularismus. Im Loch stehen Passiv und Aktiv, wohl auch Flucht und Waffe-Finden, Seite an Seite <sup class='footnote'><a href='#fn-2706-47' id='fnref-2706-47' onclick='return fdfootnote_show(2706)'>47<\/a><\/sup>; jederzeit kann es, und immer wieder mal wird es zur Bestreitung von Ordnungen kommen &#8211; von Ordnungen, die z.B. festlegen, wer dankbar sein muss f\u00fcr Toleranz-Gaben der Wohl(an)st\u00e4ndigen, wer brav im Lager oder im Kloster &#8218;besonnen&#8216; bleiben muss (wie es den nach ihrem selbsterm\u00e4chtigenden, emphatisch Rechte einfordernden Auszug aus dem Fl\u00fcchtlingslager Traiskirchen und ihrer Besetzung der Votivkirche 2012\/2013 zeitweise im Servitenkloster einquartierten Wiener Refugees seitens der katholischen Kirche empfohlen wurde).<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Dazu &#8211; \u00fcber gro\u00dfe Abst\u00e4nde hinweg, aber dennoch resonnierend &#8211; eine filmhistorisch atypische Erm\u00e4chtigungsszene aus dem Hollywood-Anti-Nazi-Film <em>None Shall Escape<\/em> (Andr\u00e9 de Toth, USA 1943), dem \u00e4ltesten unter den von mir hier referenzierten Filmen, geschrieben von Lester Cole, der einige Jahre darauf im Verlauf der McCarthyschen Kommunist_innenhetze verfolgt wurde. Die Szene zeigt einen Aufruf an versammelte Gefangene, ein weiteres Mal Gefangene von Nazis &#8211; wie bei Sturges und Bresson, hier allerdings zum kollektiven Tod Bestimmte. Vor einem Deportationszug in Polen\u00a0\u2013 und schon allein die Thematisierung dieser Dimension des Holocaust in einem zum Massenmord &#8218;zeitgleichen&#8216; Hollywood-Spielfilm ist atypisch, hat wom\u00f6glich gar etwas von einer Singularit\u00e4t <sup class='footnote'><a href='#fn-2706-48' id='fnref-2706-48' onclick='return fdfootnote_show(2706)'>48<\/a><\/sup>\u00a0\u2013 ergreift ein Rabbi das Wort an die vor ihm am Bahnhof versammelte Dorfgemeinde. Und das Wort wird Widerstand &#8211; spontaner Aufstand, gewaltt\u00e4tig im Ansatz, verzweifelt in der Ausf\u00fchrung gegen die Maschinengewehr-Salven der SS. Wir Juden, ruft der Rabbi w\u00fctend, haben so sehr darauf gehofft und darauf gesetzt, toleriert zu werden, aber: &#8222;Is there any greater degradation than to be <em>tolerated<\/em>? [&#8230;] We have submitted for too long!&#8220; Aus einem Spielfilmbild des Holocaust l\u00e4sst sich f\u00fcr Fragen des politischen Handelns wohl kaum ein gerader Schluss ziehen. Insofern sei die toleranzskeptische Dialogstelle als erm\u00e4chtigende Wortergreifung hier einmal so stehengelassen, ohne ihr etwas hinzuzuf\u00fcgen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3>Bibliographie<\/h3>\n<p>Giorgio Agamben: &#8222;Noten zur Geste&#8220;. In: ders.: <em>Mittel ohne Zweck. Noten zur Politik<\/em>. Freiburg, Berlin 2001, S. 53-62.<\/p>\n<p>Giorgio Agamben: <em>Homo Sacer. Die souver\u00e4ne Macht und das nackte Leben<\/em>. Frankfurt\/M. 2002.<\/p>\n<p>Giorgio Agamben: <em>Die kommende Gemeinschaft<\/em>. Berlin 2003.<\/p>\n<p>Alain Badiou: &#8222;Philosophy and cinema&#8220;. In: ders.: <em>Infinite Thought. Truth and the Return to Philosophy<\/em>. London, New York 2003a.<\/p>\n<p>Alain Badiou: <em>Ethik. Versuch \u00fcber das Bewusstsein des B\u00f6sen<\/em>. Wien 2003b.<\/p>\n<p>Alain Badiou: &#8222;The Democratic Emblem&#8220;. In: Giorgio Agamben et al.: <em>Democracy in What State?<\/em> New York 2011, S. 6-15.<\/p>\n<p>Alain Badiou: <em>Cinema<\/em>. Cambridge, Malden 2013.<\/p>\n<p>Walter Benjamin: &#8222;Zur Kritik der Gewalt&#8220; in: ders.: <em>Angelus Novus. Ausgew\u00e4hlte Schriften 2<\/em>. Frankfurt\/M. 1988, S. 42-67.<\/p>\n<p>Ernst Bloch: <em>Erbschaft dieser Zeit<\/em> [1935]. Frankfurt\/M. 1985.<\/p>\n<p>Judith Butler: <em>Gef\u00e4hrdetes Leben. Politische Essays<\/em>. Frankfurt\/M. 2005.<\/p>\n<p>Judith Butler: <em>Kritik der ethischen Gewalt<\/em>. Frankfurt\/M. 2007.<\/p>\n<p>Stanley Cavell: <em>The World Viewed. Reflections on the Ontology of Film<\/em>. New York 1971.<\/p>\n<p>Gilles Deleuze: <em>Das Bewegungs-Bild. Kino 1<\/em>. Frankfurt\/M. 1989<\/p>\n<p>Gilles Deleuze: <em>Das Zeit-Bild. Kino 2.<\/em> Frankfurt\/M. 1991.<\/p>\n<p>Gilles Deleuze: <em>Foucault<\/em>. Frankfurt\/M. 1992.<\/p>\n<p>Gilles Deleuze: &#8222;Postskriptum \u00fcber die Kontrollgesellschaften&#8220;. In: ders.: <em>Unterhandlungen 1972-1990.<\/em> Frankfurt\/M. 1993, S. 254-262.<\/p>\n<p>Jacques Derrida: <em>Marx&#8216; Gespenster. Der verschuldete Staat, die Trauerarbeit und die neue Internationale<\/em>. Frankfurt\/M. 1995.<\/p>\n<p>Thomas Elsaesser: &#8222;Traumatheorie in den Geisteswissenschaften, oder: die Postmoderne als Trauerarbeit&#8220;. In: ders.: <em>Terror und Trauma. Zur Gewalt des Vergangenen in der BRD<\/em>. Berlin 2007, S. 191-207.<\/p>\n<p>Michel Foucault: <em>Der Gebrauch der L\u00fcste. Sexualit\u00e4t und Wahrheit 2<\/em>. Frankfurt\/M. 1989.<\/p>\n<p>J\u00fcrgen Habermas: &#8222;Ernst Bloch: Ein marxistischer Schelling&#8220;. In: ders.: <em>Politik, Kunst, Religion. <\/em>Stuttgart 1978, S. 26-33.<\/p>\n<p>Michael Hardt, Antonio Negri: <em>Empire<\/em>. Cambridge, London 2000.<\/p>\n<p>Siegfried Kracauer: &#8222;Die Photographie&#8220; [1927], &#8222;Das Ornament der Masse&#8220; [1927], &#8222;Kult der Zerstreuung&#8220; [1926]. In: ders.: <em>Das Ornament der Masse. Essays<\/em>. Frankfurt\/M. 1963, S. 21-39, 50-63, 311-316.<\/p>\n<p>Siegfried Kracauer: &#8222;The Gold Rush&#8220; [1926], &#8222;Chaplins Triumph&#8220; [1931]. In: ders.: <em>Kino. Essays, Studien, Glossen zum Film.<\/em> Frankfurt\/M. 1974, S. 165-167, 176-179.<\/p>\n<p>Siegfried Kracauer: &#8222;&#8218;Oktoberrevolution&#8216;. <em>Revolution\u00e4rer Realismus.<\/em>&#8220; [1933] In: ders.: <em>Schriften 5.3<\/em>. Frankfurt\/M. 1990, S. 204f.<\/p>\n<p>Susanne Krasmann: &#8222;Jacques Ranci\u00e8re: Politik und Polizei im Unvernehmen&#8220;. In: Ulrich Br\u00f6ckling, Robert Feustel (Hg.): <em>Das Politische denken. Zeitgen\u00f6ssische Positionen<\/em>. Bielefeld 2010, S. 77-98.<\/p>\n<p>Maurizio Lazzarato: <em>Videophilosophie. Zeitwahrnehmung im Postfordismus.<\/em> Berlin 2002.<\/p>\n<p>Jacques Ranci\u00e8re: <em>Film Fables<\/em>. Oxoford\/New York 2006.<\/p>\n<p>Jacques Ranci\u00e8re: <em>Ist Kunst widerst\u00e4ndig?<\/em> Berlin 2008.<\/p>\n<p>Jacques Ranci\u00e8re: &#8222;Deleuze, Bartleby und die literarische Formel&#8220;. In: ders.: <em>Das Fleisch der Worte. Politik(en) der Schrift<\/em>, Z\u00fcrich\/Berlin 2010, S. 209-235.<\/p>\n<p>Gerald Raunig: <em>Industrien der Kreativit\u00e4t. Streifen und Gl\u00e4tten 2.<\/em> Z\u00fcrich 2012.<\/p>\n<p>Gerald Raunig: &#8222;Der gef\u00fcgige Charakter. 17 Thesen zur Modulation der Kreativit\u00e4t&#8220;. In: <em>Bildpunkt. Zeitschrift der IG Bildende Kunst<\/em> 33, 2014, S. 4-6.<\/p>\n<p>Drehli Robnik: &#8222;Betrieb und Betrieb &#8211; Affekte in Arbeit. Bild-Werdung als Wert-Bildung im Kino&#8220; in: Gabu Heindl (Hg.): <em>Arbeit Zeit Raum. Bilder und Bauten der Arbeit im Postfordismus<\/em>. Wien 2008, 114-137.<\/p>\n<p>Drehli Robnik: <em>Film ohne Grund. Filmtheorie, Postpolitik und Dissens bei Jacques Ranci\u00e8re<\/em>. Wien\/Berlin 2010.<\/p>\n<p>Drehli Robnik: &#8222;<em>Side by side <\/em>als wirkliche Gegner. Zu politischen Eins\u00e4tzen im Film-Denken von Kracauers <em>History<\/em>&#8222;. In: Drehli Robnik, Am\u00e0lia Kerekes, Katalin Teller (Hg.): <em>Film als Loch in der Wand. Kino und Geschichte bei Siegfried Kracauer<\/em>. Wien\/Berlin 2013, S. 160-182.<\/p>\n<p>Heide Schl\u00fcpmann: <em>\u00d6ffentliche Intimit\u00e4t. Die Theorie im Kino<\/em>. Frankfurt\/M.\/Basel 2002.<\/p>\n<p>Heide Schl\u00fcpmann: <em>Ungeheure Einbildungskraft. Die dunkle Moralit\u00e4t des Kinos<\/em>. Frankfurt\/M.\/Basel 2007.<\/p>\n<p>Chris Tedjasukmana: &#8222;Die Erfahrung verlorener M\u00f6glichkeiten. Kracauer, Benjamin und die queere Geschichtsschreibung des Kinos&#8220;. In: Drehli Robnik, Am\u00e0lia Kerekes, Katalin Teller (Hg.): <em>Film als Loch in der Wand. Kino und Geschichte bei Siegfried Kracauer<\/em>. Wien\/Berlin 2013, S. 181-201.<\/p>\n<p>Paolo Virno: <em>Grammatik der Multitude. \u00d6ffentlichkeit, Intellekt und Arbeit als Lebensformen<\/em>. Wien 2005.<\/p>\n<p>Paolo Virno: <em>Exodus<\/em>. Wien 2010.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3>Fimografie<strong><br \/>\n<\/strong><\/h3>\n<p>Robert Bresson (R.), <em>Un condamn\u00e9 \u00e0 mort s\u00b4est \u00e9chapp\u00e9 &#8211; Ein zum Tode Verurteilter ist entflohen<\/em>, F 1956.<\/p>\n<p>John Carpenter (R.), <em>Escape from New York &#8211; Die Klapperschlange<\/em>, USA 1981.<\/p>\n<p>John Carpenter (R.), <em>Escape from L.A. &#8211; Flucht aus L.A.<\/em>, USA 1996.<\/p>\n<p>Don Siegel (R.), <em>Escape from Alcatraz &#8211; Flucht von Alcatraz<\/em>, USA 1979.<\/p>\n<p>Robert Siodmak (R.), <em>Escape from East Berlin &#8211; Tunnel 28<\/em>, USA\/BRD 1962.<\/p>\n<p>John Sturges (R.), <em>Escape from Fort Bravo &#8211; Verrat im Fort Bravo<\/em>, USA 1953.<\/p>\n<p>John Sturges (R.), <em>The Great Escape &#8211; Gesprengte Ketten<\/em>, USA 1963.<\/p>\n<p>Don Taylor (R.), <em>Escape from the Planet of the Apes &#8211; Flucht vom Planet der Affen<\/em>, USA 1971.<\/p>\n<p>Andr\u00e9 de Toth (R.), <em>None Shall Escape<\/em>, USA 1943.<\/p>\n<p>Andy &amp; Larry Wachowski (R.), <em>The Matrix-Trilogie<\/em>, USA\/AUS 1999, 2003.<\/p>\n<p>Rosa Hannah Ziegler (R.), <em>Escape<\/em>, BRD 2011.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3>Empfohlene Zitierweise<\/h3>\n<p>Drehli Robnik: &#8222;Die entkommende Gemeinschaft. Wendungen und Grenzen einer Politik der Flucht und Absetzung im Medium der Filmtheorie&#8220; In: <em>escape. Strategien des Entkommens.<\/em> Onlinepublikation. Hg. von Nicole Kandioler\/Ulrich Meurer\/Vr\u00e4\u00e4th \u00d6hner\/Andrea Seier. http:\/\/escape.univie.ac.at\/die-entkommende-gemeinschaft\/<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3>Endnoten<\/h3>\n<div class='footnotes' id='footnotes-2706'>\n<div class='footnotedivider'><\/div>\n<ol>\n<li id='fn-2706-1'>\u00a0Vgl. Heide Schl\u00fcpmann: <em>\u00d6ffentliche Intimit\u00e4t. Die Theorie im Kino<\/em>. Frankfurt\/M., Basel 2002, S. 144ff; dies.: <em>Ungeheure Einbildungskraft. Die dunkle Moralit\u00e4t des Kinos<\/em>. Frankfurt\/M., Basel 2007. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-2706-1'>&#8617;<\/a><\/span><\/li>\n<li id='fn-2706-2'> Schl\u00fcpmann 2002, S. 90, 157. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-2706-2'>&#8617;<\/a><\/span><\/li>\n<li id='fn-2706-3'> Vgl. in dieser Reihenfolge: Alain Badiou: &#8222;Philosophy and cinema&#8220; In: ders.: <em>Infinite Thought. Truth and the Return to Philosophy<\/em>. London, New York 2003a, S. 83-94; ders.: <em>Ethik. Versuch \u00fcber das Bewusstsein des B\u00f6sen<\/em>. Wien 2003b; ders.: <em>Cinema<\/em>. Cambridge, Malden 2013, darin: &#8222;At bottom, cinema is the last place populated by heroes. Our world is so commercial, so family oriented, so unheroic&#8220; (S. 239). <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-2706-3'>&#8617;<\/a><\/span><\/li>\n<li id='fn-2706-4'> Thomas Elsaesser: &#8222;Traumatheorie in den Geisteswissenschaften, oder: die Postmoderne als Trauerarbeit&#8220;. In: ders.: Terror und Trauma. Zur Gewalt des Vergangenen in der BRD. Berlin 2007, S. 191-207. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-2706-4'>&#8617;<\/a><\/span><\/li>\n<li id='fn-2706-5'> Gilles Deleuze: <em>Das Bewegungs-Bild. Kino 1<\/em>. Frankfurt\/M. 1989, S. 97. Lustigerweise fragt Deleuze zwei Zeilen davor: &#8222;Was ist die Matrix an sich?&#8220; (w\u00f6rtlich: &#8222;herauszufinden versuchen, was die Matrix oder das Bewegungsbild an sich ist&#8220;). Das klingt, als w\u00e4re eine andere filmische Flucht- und L\u00f6sungsphantasie gemeint (bzw. im Voraus angedacht), eine, \u00fcber die um die Jahrtausendwende viel gegr\u00fcbelt wurde; um die in der <em>Matrix-<\/em>Trilogie (Andy &amp; Larry Wachowski, USA\/AUS 1999, 2003) zelebrierte Angstlust an der Verkabelung der Welt geht es Deleuze hier allerdings nat\u00fcrlich nicht. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-2706-5'>&#8617;<\/a><\/span><\/li>\n<li id='fn-2706-6'> Deleuze 1989, S. 84-102. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-2706-6'>&#8617;<\/a><\/span><\/li>\n<li id='fn-2706-7'> Deleuze 1989, S. 89f. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-2706-7'>&#8617;<\/a><\/span><\/li>\n<li id='fn-2706-8'>\u00a0Vgl. Chris Tedjasukmana: &#8222;Die Erfahrung verlorener M\u00f6glichkeiten. Kracauer, Benjamin und die queere Geschichtsschreibung des Kinos&#8220;. In: Drehli Robnik, Am\u00e0lia Kerekes, Katalin Teller (Hg.): <em>Film als Loch in der Wand. Kino und Geschichte bei Siegfried Kracauer<\/em>. Wien, Berlin 2013, S. 181-201. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-2706-8'>&#8617;<\/a><\/span><\/li>\n<li id='fn-2706-9'> Deleuze 1989, S. 99. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-2706-9'>&#8617;<\/a><\/span><\/li>\n<li id='fn-2706-10'> W\u00f6rtlich schlie\u00dft Deleuze eine Serie von in die genannte Richtung gehenden Fragen zum Foucault in der Sackgasse der Machttheorie circa 1975 mit dem Satz ab: &#8222;Bis hin zum ersch\u00fctternden Wort in <em>Der Gebrauch der L\u00fcste:<\/em> &#8217;sich von sich selber zu l\u00f6sen&#8216;.&#8220; Gilles Deleuze: <em>Foucault<\/em>. Frankfurt\/M. 1992, S. 133. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-2706-10'>&#8617;<\/a><\/span><\/li>\n<li id='fn-2706-11'> Michel Foucault: <em>Der Gebrauch der L\u00fcste. Sexualit\u00e4t und Wahrheit 2<\/em>. Frankfurt\/M. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-2706-11'>&#8617;<\/a><\/span><\/li>\n<li id='fn-2706-12'> W\u00f6rtlich: &#8222;Welcher ist also der subtile Ausweg?&#8220; Gilles Deleuze: <em>Das Zeit-Bild. Kino 2.<\/em> Frankfurt\/M. 1991, S. 222. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-2706-12'>&#8617;<\/a><\/span><\/li>\n<li id='fn-2706-13'> Vgl. Deleuze 1989, S. 43; ders.: &#8222;Postskriptum \u00fcber die Kontrollgesellschaften&#8220; (1990) in: ders.: Unterhandlungen 1972-1990. (1990) Frankfurt\/M. 1993, S. 254-262; ausf\u00fchrlicher dazu: Drehli Robnik: &#8222;Betrieb und Betrieb &#8211; Affekte in Arbeit. Bild-Werdung als Wert-Bildung im Kino&#8220; in: Gabu Heindl (Hg.): <em>Arbeit Zeit Raum. Bilder und Bauten der Arbeit im Postfordismus<\/em>. Wien 2008, S. 114-137. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-2706-13'>&#8617;<\/a><\/span><\/li>\n<li id='fn-2706-14'> Deleuze 1991, S. 339. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-2706-14'>&#8617;<\/a><\/span><\/li>\n<li id='fn-2706-15'> W\u00f6rtlich: &#8222;Nicht wir machen das Kino, es ist die Welt, die uns als ein schlechter Film vorkommt.&#8220; Deleuze 1991, S. 224. Diese \u00dcbersetzung ber\u00fccksichtigt nicht, dass &#8222;faire du cin\u00e9ma&#8220; im Franz\u00f6sischen soviel wie &#8222;sich (auff\u00e4llig oder nerv\u00f6s) auff\u00fchren&#8220; bedeutet. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-2706-15'>&#8617;<\/a><\/span><\/li>\n<li id='fn-2706-16'> Der Tocotronic-Song hei\u00dft &#8222;Im Zweifel f\u00fcr den Zweifel&#8220; und war die zweite Single vom Album <em>Schall &amp; Wahn<\/em> (Vertigo Records 2010). <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-2706-16'>&#8617;<\/a><\/span><\/li>\n<li id='fn-2706-17'> Deleuze 1991, S. 225f. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-2706-17'>&#8617;<\/a><\/span><\/li>\n<li id='fn-2706-18'> Stanley Cavell: <em>The World Viewed. Reflections on the Ontology of Film<\/em>. New York 1971. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-2706-18'>&#8617;<\/a><\/span><\/li>\n<li id='fn-2706-19'> Jacques Ranci\u00e8re: <em>Film Fables<\/em>. Oxoford, New York 2006; ders.: <em>Ist Kunst widerst\u00e4ndig?<\/em> Berlin 2008; ders.: &#8222;Deleuze, Bartleby und die literarische Formel&#8220;. In: ders.: <em>Das Fleisch der Worte. Politik(en) der Schrift<\/em>, Z\u00fcrich, Berlin 2010, S. 209-235. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-2706-19'>&#8617;<\/a><\/span><\/li>\n<li id='fn-2706-20'> \u00c4hnlich die Kritik von Susanne Krasmann in: &#8222;Jacques Ranci\u00e8re: Politik und Polizei im Unvernehmen&#8220;. In: Ulrich Br\u00f6ckling, Robert Feustel (Hg.): <em>Das Politische denken. Zeitgen\u00f6ssische Positionen<\/em>. Bielefeld 2010, S. 77-98, hier S. 92. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-2706-20'>&#8617;<\/a><\/span><\/li>\n<li id='fn-2706-21'> Vgl. Ranci\u00e8re 2006, S. 107-12. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-2706-21'>&#8617;<\/a><\/span><\/li>\n<li id='fn-2706-22'> W\u00f6rtlich: &#8222;Aber selbstverst\u00e4ndlich ist die Kraft allen starken Denkens auch seine F\u00e4higkeit, seine eigene Aporie aufzustellen, den Punkt, den es nicht \u00fcberwindet. Und genau das ist es, was Deleuze hier macht, wenn er mit ein und derselben Geste dem Deleuzeismus den Weg bahnt und ihn gegen die Wand fahren l\u00e4sst.&#8220; Ranci\u00e8re 2010, S. 209.  <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-2706-22'>&#8617;<\/a><\/span><\/li>\n<li id='fn-2706-23'> Ausf\u00fchrlicher: Drehli Robnik: <em>Film ohne Grund. Filmtheorie, Postpolitik und Dissens bei Jacques Ranci\u00e8re<\/em>. Wien, Berlin 2010, S. 50-67. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-2706-23'>&#8617;<\/a><\/span><\/li>\n<li id='fn-2706-24'> Michael Hardt, Antonio Negri: <em>Empire<\/em>. Cambridge, London 2000; Maurizio Lazzarato: <em>Videophilosophie. Zeitwahrnehmung im Postfordismus.<\/em> Berlin 2002; Paolo Virno: <em>Exodus<\/em>. Wien 2010. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-2706-24'>&#8617;<\/a><\/span><\/li>\n<li id='fn-2706-25'> Hardt, Negri 2000, S. 304. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-2706-25'>&#8617;<\/a><\/span><\/li>\n<li id='fn-2706-26'> Mit dieser Betonung auf der ersten Silbe gesungen von Peter Weibel in &#8222;Liebe ist ein Hospital&#8220; von der Wiener Art-Rock-Band Hotel Morphila Orchester (1982). <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-2706-26'>&#8617;<\/a><\/span><\/li>\n<li id='fn-2706-27'> Vgl. Paolo Virno: <em>Grammatik der Multitude. \u00d6ffentlichkeit, Intellekt und Arbeit als Lebensformen<\/em>. Wien 2005, S. 65-78, 111-134, 150. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-2706-27'>&#8617;<\/a><\/span><\/li>\n<li id='fn-2706-28'> Vgl. Walter Benjamin: &#8222;Zur Kritik der Gewalt&#8220; in: ders.: <em>Angelus Novus. Ausgew\u00e4hlte Schriften 2<\/em>. Frankfurt\/M. 1988, S. 42-67.  <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-2706-28'>&#8617;<\/a><\/span><\/li>\n<li id='fn-2706-29'> Vgl. Judith Butler: <em>Gef\u00e4hrdetes Leben. Politische Essays<\/em>. Frankfurt\/M. 2005; dies.: <em>Kritik der ethischen Gewalt<\/em>. Frankfurt\/M. 2007. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-2706-29'>&#8617;<\/a><\/span><\/li>\n<li id='fn-2706-30'> Vgl. Gerald Raunig: <em>Industrien der Kreativit\u00e4t. Streifen und Gl\u00e4tten 2.<\/em> Z\u00fcrich 2012; ders.: &#8222;Der gef\u00fcgige Charakter. 17 Thesen zur Modulation der Kreativit\u00e4t&#8220;. In: <em>Bildpunkt. Zeitschrift der IG Bildende Kunst<\/em> 33, 2014, S. 4-6. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-2706-30'>&#8617;<\/a><\/span><\/li>\n<li id='fn-2706-31'> Giorgio Agamben: &#8222;Noten zur Geste&#8220;. In: ders.: <em>Mittel ohne Zweck. Noten zur Politik<\/em>. Freiburg, Berlin 2001, S. 53-62. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-2706-31'>&#8617;<\/a><\/span><\/li>\n<li id='fn-2706-32'> Giorgio Agamben: <em>Die kommende Gemeinschaft<\/em>. Berlin 2003. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-2706-32'>&#8617;<\/a><\/span><\/li>\n<li id='fn-2706-33'> Vgl. Giorgio Agamben: Homo Sacer. Die souver\u00e4ne Macht und das nackte Leben.Frankfurt\/M. 2002; Agamben 2003, S. 49f. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-2706-33'>&#8617;<\/a><\/span><\/li>\n<li id='fn-2706-34'> Agamben 2003, S. 48f. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-2706-34'>&#8617;<\/a><\/span><\/li>\n<li id='fn-2706-35'> Siegfried Kracauer: &#8222;Das Ornament der Masse&#8220; (1927). In: ders.: <em>Das Ornament der Masse. Essays<\/em>. Frankfurt\/M. 1963, S. 50-63, hier S. 59. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-2706-35'>&#8617;<\/a><\/span><\/li>\n<li id='fn-2706-36'> Siegfried Kracauer: &#8222;Die Photographie&#8220; (1927). In: ders. 1963, S. 21-39, hier S. 39. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-2706-36'>&#8617;<\/a><\/span><\/li>\n<li id='fn-2706-37'> Zumal: Jacques Derrida: <em>Marx&#8216; Gespenster. Der verschuldete Staat, die Trauerarbeit und die neue Internationale<\/em>. Frankfurt\/M. 1995. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-2706-37'>&#8617;<\/a><\/span><\/li>\n<li id='fn-2706-38'> N\u00e4her an Kracauers Formulierung: Die metropolitanen Massen, zugewandt einer dem Film und Kino ad\u00e4quaten Nicht-Form von &#8222;Zerstreuung (&#8230;), die den Zerfall entbl\u00f6\u00dft, nicht ihn verh\u00fcllt&#8220;, sind &#8222;der Wahrheit nahe&#8220;. Siegfried Kracauer: &#8222;Kult der Zerstreuung&#8220; (1926). In: ders. 1963, S.\u00a0311-316, hier S. 316.  <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-2706-38'>&#8617;<\/a><\/span><\/li>\n<li id='fn-2706-39'> Vgl. Schl\u00fcpmann 2007, z.B. S. 86, 97f, 100f, 109, 115. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-2706-39'>&#8617;<\/a><\/span><\/li>\n<li id='fn-2706-40'> Vgl. Ernst Bloch: <em>Erbschaft dieser Zeit<\/em> (1935). Frankfurt\/M. 1985. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-2706-40'>&#8617;<\/a><\/span><\/li>\n<li id='fn-2706-41'> J\u00fcrgen Habermas: &#8222;Ernst Bloch: Ein marxistischer Schelling&#8220;, in: ders.: <em>Politik, Kunst, Religion. <\/em>Stuttgart 1978, S. 31. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-2706-41'>&#8617;<\/a><\/span><\/li>\n<li id='fn-2706-42'> Kracauer tut dies in seiner am 5. Februar 1933, eine Woche nach Amts\u00fcbernahme der Regierung Hitler\/von Papen, in Frankfurt am Main erschienenen Rezension von Leo Trotzkis <em>Oktoberrevolution<\/em>: Lenins &#8222;revolution\u00e4rer Realismus&#8220;, so Kracauers Schlusswort eines seiner letzten Texte vor der Flucht vor den Nazis ins franz\u00f6sische Exil, sei &#8222;mit dem vieler sogenannter &#8218;Realpolitiker&#8216; nicht zu verwechseln. (\u2026) Von ihm betroffen zu sein, w\u00e4re der entscheidendste Gewinn, den deutsche Leser aus dem Werk ziehen k\u00f6nnten.&#8220; Siegfried Kracauer: &#8222;&#8218;Oktoberrevolution&#8216;. <em>Revolution\u00e4rer Realismus.<\/em>&#8220; (1933) In: ders.: <em>Schriften 5.3<\/em>. Frankfurt\/M. 1990, S. 204f, hier S. 205. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-2706-42'>&#8617;<\/a><\/span><\/li>\n<li id='fn-2706-43'> Exemplarisch in Badious antidemokratischem politischen Theoretisieren: Badiou 2003; ders.: &#8222;The Democratic Emblem&#8220;. In: Giorgio Agamben et al.: <em>Democracy in What State?<\/em> New York 2011, S. 6-15. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-2706-43'>&#8617;<\/a><\/span><\/li>\n<li id='fn-2706-44'> Vgl. Badiou 2013, S. 207. W\u00f6rtlich: &#8222;&#8218;generic humanity&#8216;\u00a0\u2013 in other words, (&#8230;) humanity beyond its differences&#8220;. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-2706-44'>&#8617;<\/a><\/span><\/li>\n<li id='fn-2706-45'> Siegfried Kracauer: &#8222;Chaplins Triumph&#8220; (1931). In: ders.: <em>Kino. Essays, Studien, Glossen zum Film.<\/em> Frankfurt\/M. 1974, S. 176-179, hier S. 177. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-2706-45'>&#8617;<\/a><\/span><\/li>\n<li id='fn-2706-46'> Siegfried Kracauer: &#8222;The Gold Rush&#8220; (1926) in: ders. 1974, S. 165-167, hier S. 165f. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-2706-46'>&#8617;<\/a><\/span><\/li>\n<li id='fn-2706-47'> Zur <em>side by side-<\/em>Logik von Geschichte und Erfahrung im Schlusskapitel von Kracauers <em>History<\/em>, insbes. zu deren politischer Potenzialit\u00e4t, vgl. Drehli Robnik: &#8222;<em>Side by side <\/em>als wirkliche Gegner. Zu politischen Eins\u00e4tzen im Film-Denken von Kracauers <em>History<\/em>&#8222;. In: Drehli Robnik, Am\u00e0lia Kerekes, Katalin Teller (Hg.): <em>Film als Loch in der Wand. Kino und Geschichte bei Siegfried Kracauer<\/em>. Wien, Berlin 2013, S. 160-182. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-2706-47'>&#8617;<\/a><\/span><\/li>\n<li id='fn-2706-48'> Insofern bezieht sich das <em>None Shall Escape<\/em> des Filmtitels als eine verzweifelte Konstatierung auf das in der Story als solches thematisierte Nazi-Projekt der Ausrottung der J\u00fcdinnen und Juden; es bezieht sich aber auch, als Vorgriff und gewendet zur Drohung, zugleich Tr\u00f6stung, auf die Unentrinnbarkeit jenes globalen Gerichts &#8211; N\u00fcrnberg, UNO und Kriegsverbrechensgerichtshof <em>avant la lettre &#8211;<\/em>, das in der Rahmenhandlung dieses 1943 gedrehten Films nach dem von den Alliierten gewonnenen Krieg den deutschen Verbrechen nachgeht und einen T\u00e4terlebenslauf ideologiekritisch-soziopsychografisch aufrollt. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-2706-48'>&#8617;<\/a><\/span><\/li>\n<\/ol>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><strong>Drehli Robnik<\/strong><\/p>\n<p>Diverse politik-, sozial- und geschichtstheoretische Konzepte, die Flucht und Film, Absetzungen und Inszenierungen, als Orte\/Momente von Sinnbildung und Machtformung starkmachen, werden in diesem Beitrag behandelt. Nicht alle werden gleich gut behandelt. Wie so oft sticht Kracauer alle. Ansonsten am Start: Deleuze, seine multi- und humilitudinalen Adepten, weit abgeschlagen Badiou. Clips aus Filmen, die das Entkommen im Titel tragen, laufen stumm und langsam mit. <\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":2718,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[5,9,10,13,15,17,21,23,25,26,27,31,35,37,40,45,48,54,55],"class_list":["post-2706","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-uncategorized","tag-bewegung","tag-entkommen","tag-eskapismus","tag-film","tag-flucht","tag-gemeinschaft","tag-gilles-deleuze","tag-grenzen","tag-jaqcues-ranciere","tag-judith-butler","tag-kino","tag-krieg","tag-michel-foucault","tag-paolo-virno","tag-politik","tag-siegfried-kracauer","tag-stummflim","tag-theorie","tag-walter-benjamin"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/escape.univie.ac.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2706","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/escape.univie.ac.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/escape.univie.ac.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/escape.univie.ac.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/escape.univie.ac.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=2706"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/escape.univie.ac.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2706\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/escape.univie.ac.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/2718"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/escape.univie.ac.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=2706"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/escape.univie.ac.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=2706"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/escape.univie.ac.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=2706"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}